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Work-Life-Balance

Beruf und Privatleben in Einklang bringen

von Erwin Germann

Zu einem erfüllten Leben gehört die Balance zwischen Beruf und Privatem. Es muss Zeiten der höchsten Anspannung und Anstrengung geben, aber auch Phasen der Entspannung und des Ausgleichs, denn eine Überforderung über Jahre und Jahrzehnte bleibt nicht ohne Folgen. Balance setzt die Bereitschaft zu Veränderungen voraus. Die gute Nachricht: Eine gute Balance überträgt sich positiv auf Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten.

Wie man Beruf und Privatleben miteinander vereinbaren kann, darüber hat sich jede aktiv arbeitende Person bestimmt schon einmal Gedanken gemacht. Ich wurde durch Experten schon früh mit dem Thema Work-Life-Balance konfrontiert und habe gemeinsam mit meiner Frau immer wieder den notwendigen Ausgleich gefunden.

In Gesprächen mit Inhabern, Geschäftsführern und Entscheidern in der grünen Branche spüre ich immer öfters, dass dieses wichtige Thema im Arbeitsalltag verdrängt wird.

Die Statistik in Deutschland spricht eine deutliche Sprache: Die Zahl der psychosomatischen Krankheiten nimmt drastisch zu. Wir erleben, dass Freunde, Bekannte, Nachbarn oder sogar Familienangehörige am sogenannten Burn-out-Syndrom leiden. Die Medizin hat es als ernst zu nehmende Krankheit definiert, doch manchmal wird es immer noch belächelt.

Balance erstreckt sich über vier Lebensbereiche

Ein ausgeglichenes Leben in Zufriedenheit, das wünschen sich viele Menschen. Als einer der ersten Forscher hat Professor Dr. Nossrat Peseschkian das Thema aufgegriffen und erforscht. In über 25 Jahren hat er in allen Kulturkreisen der Erde langfristig erfolgreiche Menschen interviewt. Seine Studie bildet die Grundlage für viele moderne Work-Life-Balance-Modelle. Der Professor hat in dieser Studie festgestellt, dass sich Balance für den Menschen auf vier Lebensbereiche erstreckt:

  1. Leistung. In diesen Bereich fallen alle Anstrengungen bei unserer Arbeit.
  2. Sinn. Darunter ist das eigene Wissen und die persönliche Interpretation allgemeiner Fragen und Werte zu verstehen.
  3. Beziehung. Damit sind vor allem die Familie, Freundschaften und die Art, wie diese gelebt werden, gemeint.
  4. Körper. Er ist die Grundlage für ein gesundes, langes Leben.

In diesen vier Lebensbereichen kann jeder eine Gewichtung vornehmen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er Schwerpunkte setzt.

Leistung hat meistens mit Abstand den größten Anteil

Bittet man Geschäftsinhaber, Gärtner, Betriebsleiter und Floristen, die vier Lebensbereiche gemäß der tatsächlichen Zeitverteilung einmal ehrlich aufzuzeigen, umfasst der Bereich Leistung meistens einen Zeitaufwand von über 75 % und ist damit mit Abstand der größte Anteil. Dadurch bleibt automatisch weniger Zeit für die anderen Bereiche übrig. Das wirkt sich zwangsläufig auf die Familie und die Gesundheit aus. Über einen kurzen Zeitraum kann eine solche Überforderung überbrückt werden, doch langfristig bleiben konkrete Auswirkungen nicht aus.

Die Regel lautet: Wird einer dieser Lebensbereiche über einen längeren Zeitraum zu stark beansprucht, geht die Balance verloren und es kann zu körperlichen Schädigungen oder Problemen in der Beziehung kommen. Die Menschen merken dies zum Beispiel an Schlafstörungen und daran, dass die Abstände zwischen Erkrankungen immer kürzer werden.

Es ist wichtig, sich diese Zusammenhänge bewusst zu machen und sich selbst einzugestehen, wenn die Balance gestört ist. Oft ist jedoch die Geschwindigkeit im Hamsterrad so hoch, dass der Hamster nicht mehr stoppen kann oder selbst nicht mehr merkt, wie es immer weiter und weiter geht. Für das Signal sorgt dann der Körper in Form von Erkrankungen.

Selbst definieren, was der Lebensinhalt ist

Letztendlich geht es darum, dass wir unsere natürliche Grundausstattung im Verlauf unseres Lebens richtig einsetzen. Man sollte sich selbst in gewissen Abständen folgende Fragen stellen:

  • Was erfüllt mich?
  • Worin besteht mein Lebensinhalt?
  • Womit schaffe ich den Ausgleich zur Leistung (Arbeit)?

In unserem Extrem-Seminar Chronos müssen die Teilnehmer eine Option für „ihre letzten 100 Tage" erarbeiten. Was würden Sie tun, wenn Sie noch 100 Tage zu leben hätten? Häufig stellen dann die Macher und Arbeitstiere fest, dass es außer Arbeit, Betrieb und Leistung nichts gibt. Nun erfolgt eine neue Gewichtung, die jeweils individuell anders aussehen mag, aber oft wiederholen sich die Aussagen, zum Beispiel: jeden Tag genießen, mehr in anderen Bereichen des Lebens erreichen, gesünder leben, länger gesund bleiben. Die genaue Zieldefinition ist bei jedem Menschen etwas anders.

Eine persönliche Linie zur Orientierung finden

In einem erfüllten Leben haben alle vier Bereiche eine Daseinsberechtigung. Es gibt aber nicht eine einzige richtige Version, sondern nur richtige Versionen für jeden einzelnen. Eine Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden heißt, dass Belastungen in ein vertretbares Maß gebracht werden. Es muss Zeiten der Anspannung und Anstrengung geben, aber auch Phasen der Entspannung und des Ausgleichs. In jedem Leben gibt es Phasen, in denen es Abweichungen von der Balance und Extremsituationen gibt. Aber es gilt, eine persönliche Linie als Orientierungspunkt zu finden.

Treffen wir auf Menschen, die ihre eigene Mitte gefunden haben, können wir spüren, wie sie auf uns wirken. Ihre Erfüllung und Ausgeglichenheit überträgt sich auf andere Menschen, egal ob Mitarbeiter, Kunde oder Lieferant. Man profitiert also für sich selbst und für sein Umfeld.

Doch wie findet man die richtige Balance? Die vier Lebensbereiche ins Lot zu bringen, setzt die Bereitschaft zu Veränderungen voraus. Beginne bei dir selbst, ist die Devise, denn nichts ändert sich, wenn ich mich nicht selbst ändere. Das betrifft Selbstorganisation und Zeitmanagement und ganz besonders Mitarbeiterführung. Man muss Strukturen schaffen, um Arbeiten abgeben zu können. Es geht dabei nicht darum, Lasten einfach zu anderen zu verschieben, sondern um die Frage, wie Arbeiten anders gemacht oder einfacher organisiert werden können – nichts ist so gut, dass es nicht besser oder einfacher gemacht werden könnte. Bei Studien wurde festgestellt, dass 25 % aller Vorgänge keine Auswirkung haben. Daraus lässt sich ableiten, dass überall Veränderungen möglich sind.

Ein neuer Weg für die anfallenden Aufgaben

Doch Veränderungen bedeuten Anstrengung. Man darf sich nicht hinter Aussagen wie „Geht nicht", „Haben wir noch nie so gemacht" und „Meine Kunden wollen das nicht" verschanzen. Es muss ein neuer Weg gefunden werden, wie die anfallenden Aufgaben erfüllt werden. Die Qualität muss stimmen, aber das Ergebnis kann auf unterschiedliche Weise erreicht werden. Man sollte nicht erwarten, dass Mitarbeiter eine Aufgabe genauso erledigen, wie man es selbst tun würde. Man muss klar äußern, was man erwartet und sich eindeutig positionieren, aber man muss auch loslassen können. Hier schafft Kommunikation Vertrauen.

In Zukunft wird das Thema Mitarbeiterführung noch wichtiger werden, denn Mitarbeiter sind immer weniger bereit, Anweisungen einfach hinzunehmen. Speziell der Nachwuchs ist mit einem Rundum-Sorglos-Paket aufgewachsen und nicht zu bedingungslosem Gehorsam bereit. Doch auch diese Generation hat ihre Stärken. Man muss den Umgang miteinander lernen und gemeinsame Ziele definieren. Vieles hat mit Respekt und Achtung zu tun. Als Führungskraft hat man nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern auch für die Mitarbeiter.

Die Komfortzone verlassen und Neuland betreten

Den Anfang zu Veränderungen werden Sie machen, wenn Sie bereit sind, Ihre eigene Komfortzone zu durchbrechen. Dann betreten Sie automatisch Neuland. Dieser Geist wurde in der Vergangenheit mit Pioniergeist verglichen und ist auch für Unternehmen von morgen in einem gewissen Maß notwendig. Wer Neuland betritt, hat den Kopf frei für Veränderungen, dann ist auch mal etwas Verrücktes möglich. Beantworten Sie für sich die Frage: Was haben Sie als Unternehmer/-in, Führungskraft, Ehemann/-frau oder Freund/-in noch nie gemacht? Jetzt können Sie eine Entscheidung treffen und Neuland betreten. Ist es nicht beneidenswert, wie oft ein Kleinkind fallen muss, bis es endlich laufen kann. Der Drang, es immer wieder zu versuchen, sorgt dafür, dass wir aufrecht gehen. In jedem Menschen ist diese Kraft vorhanden, egal wie alt er ist. Nur wer etwas Neues ausprobiert, macht neue Erfahrungen, erlebt, wie sich Dinge zum Positiven verändern können.

Verantwortung für das eigene Leben übernehmen

Die Suche nach Work-Life-Balance heißt letztendlich, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Wir sind für das, was wir tun oder nicht tun, verantwortlich und müssen auch die Konsequenzen akzeptieren. Wir leben in einem wunderbaren Land mit herrlichen Möglichkeiten in einer spannenden Zeit, die jeder für sich nutzen kann. Ich möchte Ihnen Mut machen, Dinge anzupacken, damit der Satz für Sie Wirklichkeit wird: „Lebe deinen Traum, vergiss dabei aber die anderen Menschen nicht!"

Text: Edith Strupf, Stuttgart

Quelle: florieren!, www.florieren.net