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Holzhandel im Umbruch - Chancen gezielt nutzen

Aktuelle Situation erfordert Bereitschaft, neue Wege zu gehen - Erfahrungen können für Zeit nach Corona nützlich sein

Die letzten Wochen haben auch im Holzhandel gezeigt, dass alle jetzt umdenken müssen – Lieferanten, Händler und Kunden. Es ist schön für den Fachhandel, dass die Geschäftsentwicklung größtenteils positiv ist, im Gegensatz zu den Entwicklungen in anderen Branchen. Trotzdem gilt es, die Zeichen der Zeit zu erkennen und diese für die zukünftige Positionierung gezielt zu nutzen.

Auch wenn viele Holzhändler sich in den vergangenen Jahren erfolgreich gegen die Digitalisierung gewehrt haben, mussten wir alle erkennen, dass diese Möglichkeiten gerade in der jetzigen Situation nützlich und hilfreich sind.

Wenn ich bei Telefonaten und Videokonferenzen mit Holzhändlern genau zuhöre, habe ich immer wieder den Eindruck, dass viele noch nicht wirklich begriffen haben, dass es nie mehr so sein wird wie vor Corona. In der Arbeitswelt hat sich der bereits der Begriff „New Work“ etabliert. Die neue Normalität – wir werden uns an einiges gewöhnen müssen, denn die Vorgaben und Regelungen werden uns noch Monate begleiten.

Zahlreiche Positivfaktoren

Jetzt gilt es, aufgrund der gemachten Erfahrungen darüber nachzudenken, was eigentlich gut ist, und sich in dieser Phase als positiv gezeigt hat. Es gibt zahlreiche Positivfaktoren, die gerade in den letzten Wochen deutlich geworden sind. Sie brauchen sich nur die Zahlen anschauen, obwohl der Außendienst in den letzten Wochen nicht präsent war. Wenn ich daran denke, wie viele Stunden Vertriebsmitarbeiter sinnlos in ihren Fahrzeugen unterwegs sind. Gerade die aktuellen Umsätze zeigen, dass eine andere Form der Betreuung mit anderen Mitteln und digitalen Medien möglich ist.

Das gleiche gilt für die zukünftige Meetingkultur: Es wird auch in Zukunft persönliche Begegnungen und Treffen geben, jedoch müssen bei diesen wertvolle Informationen vermittelt werden. Gerade im Hinblick auf Innovation und Neuheiten wird die persönliche Begegnung auch in Zukunft im Vordergrund stehen. Wir spüren dies gerade bei unserem neuen Schulungsformat Webinare, welches bei zahlreichen Händlern bereits auf offene Ohren gestoßen ist. Die Nachfrage ist gut und wir stehen erst am Anfang. Zahlreiche Konzepte sind noch in der Entwicklungsphase. Gerade das Thema „Neue Möglichkeiten der Kundenbetreuung – Nutzung der digitalen Möglichkeiten zur Kundenbetreuung“ erzielt eine echte Resonanz in jeder Betriebsgröße. Gleichzeitig spüren wir bei der Sensibilisierung zur Steigerung der Telefonqualität aufgrund der enormen Zuname der Anrufe aktuell eine große Nachfrage im gesamten Fachhandel. Jeder Mitarbeiter mit telefonischem Kundenkontakt muss auf den neuen Standard gebracht und dazu entsprechend geschult werden.

Jeder Mitarbeiter im Holzhandel – vom Azubi bis zur Führungskraft vom Quereinsteiger bis zum Produktexperten – braucht die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu sammeln. Nur dann können sie wirklich mitreden. Aktuell haben 85 % der Mitarbeiter im Tagesgeschäft eine tolle Leistung erbracht. Da bleibt keine Zeit für Qualifizierung. Das ist verständlich und nachvollziehbar. Doch es wird eine Zeit nach Corona geben. Ich bin überzeugt, dass in Zukunft die Teilnahme an Qualifizierungsveranstaltungen in verschiedenen Formaten angeboten und durchgeführt werden müssen. Hierzu zählen unter anderem Webinare und E-Learning. Es ist aktuell noch offen, wann die ersten Veranstaltungen wieder möglich werden.

Digitale Performance – während junge Mitarbeiter mit diesen Medien selbstverständlicher umgehen, gilt es jetzt auf andere Punkte für eine optimale Wirkung zu achten. Natürlich ist es technisch möglich, aus dem Auto eine Videokonferenz zu führen, jedoch wird die Wirkung für den Gesprächspartner nicht professionell vermittelt werden. In diesem Feld gibt es noch Potenzial.

Jeder Produktverantwortliche, jeder Vertriebsleiter muss zukünftig auf diesen Plattformen agieren können. Nicht nach dem Motto „Wir machen jetzt auch Videokonferenzen“, sondern wie effizient und produktiv arbeiten wir mit diesen neuen Werkzeugen. Jeder ist gefordert, an seiner Performance zu arbeiten und aus der Passivität herauszukommen. Es ist einfach, an einer Videokonferenz oder einem Webinar teilzunehmen, doch es ist etwas völlig anderes, selber diese Veranstaltung zu führen und aktiv zu einem erfolgreichen Verlauf beizutragen.

Nutzen Sie diese Möglichkeiten in der Kundenbetreuung – jetzt ist Mut gefordert. Die Besonderheit besteht darin, dass die Toleranz bei der Industrie und im Handwerk aktuell bei allen Beteiligten relativ groß ist, da alle Branchen sich gerade in einem Umbruch befinden. Auch deren Verarbeiter, Handwerker und Industriekunden müssen neue Wege suchen im Umgang mit ihren Kunden. Machen Sie den Anfang bei Ihren Zielgruppen und Kunden und zeigen Sie Bereitschaft zur erlebbaren Weiterentwicklung. Das ist eine neue Form einer Grenzerfahrung. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich liebe Präsenzveranstaltung, bei denen ich mit meinen Teilnehmern auf Augenhöhe diskutieren kann. Jetzt habe ich nur noch einen Bildschirm und Videokamera – das ist eine komplett andere Welt.

Ausbildungsqualität

Aufgrund der aktuellen Situation mussten alle Betriebe erleben, dass jetzt ein Umdenken gerade in der internen betrieblichen Ausbildung erfolgen muss. Neue Elemente müssen mit Leben gefüllt werden und zu einem festen Bestandteil jeder Ausbildung werden. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt für Holzhändler, um als Ausbildungsbetrieb aus dem Schattendasein ins Rampenlicht in ihrer Region zu kommen. Präsentieren Sie sich als attraktiver Ausbildungsbetrieb mit Zukunft. Dazu brauchen Sie die neuen Medien und Ihre jungen Mitarbeiter als Botschafter. Wir müssen für diese Zielgruppe sichtbar werden. Vergessen Sie die Schulzeugnisse. Wir wollen junge Menschen mit Herz und Hand, denen Sie aufgrund ihrer Einschätzung zutrauen, dass sie zu Ihrem Team passen.

Nutzen Sie die Chancen für den Holzhandel durch den aktuellen Einstellungsstopp der Industrie. Dies ist eine einmalige Gelegenheit, an potenzielle Kandidaten zu kommen, welche normalerweise für den Holzhandel nicht zur Verfügung stehen. Das Jahr 2020 muss in der Branche in die Geschichte eingehen als das Jahr mit der höchsten Ausbildungszahl. Dann setzt der Holzhandel ein echtes Zeichen. Jeder Holzhändler ist gefordert seinen Beitrag zu leisten.

In allen Regionen gibt es genau diese jungen Menschen, die wir brauchen und die wirklich „Bock haben“ eine Ausbildung in einem attraktiven regionalen Handelsunternehmen zu absolvieren. Machen Sie sich bereit auf eine neue Dimension und zeigen Sie im Arbeitsleben, dass Veränderungsbereitschaft bei der Geschäfts- und insbesondere bei der Ausbildungsleitung wirklich angekommen ist.

Neu und anders sind die Eigenschaften, die Sie jetzt auch im Bereich der Ausbildung weiterbringen. Es sind spannende Zeiten, doch freuen Sie sich auf diese neuen Erfahrungen gerade mit den jungen Menschen.

In: Holz-Zentralblatt, Nummer 25, 19. Juni 2020