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Wenn Beschäftigte gehen, geht ihr Wissen mit

Wie Wissenstransfer von Alt zu Jung gelingt

von Erwin Germann

Verabschieden sich langjährige Mitarbeiter in den Ruhestand, hinterlassen sie oft eine große Lücke. Denn über die Jahre haben sie ein großes Fach- und Erfahrungswissen aufgebaut, das für ihr Unternehmen einen unschätzbaren Wert hat.

Betreiber von Gartencentern sollten sich frühzeitig Gedanken um die Wissensvermittlung in ihrem Betrieb machen, damit wichtige Informationen und Erfahrungen rechtzeitig an die nachfolgende Mitarbeiter-Generation weitergegeben werden. Erwin Germann, Experte für Vermarktung, Verkauf und Führung im Fach- und Einzelhandel erklärt, wie Wissen im Unternehmen bleibt.

Vom Profi lernen

Langjährige Beschäftigte verfügen nicht nur über ein großes Fachwissen rund um ihren Warenbereich. Sie haben auch ein breites Hintergrundwissen über ihren Betrieb, das sie weitergeben können. „Ältere Mitarbeiter kennen die Abläufe im Unternehmen ganz genau. Sie haben über viele Berufsjahre hinweg Arbeitsprozesse entwickelt, die effizient und zeitsparend sind. Zum Beispiel wenn es darum geht, unnötige Wege zu vermeiden. Dieses Wissen kann man nur durch persönliche Anleitung und konkrete praktische Tipps weitergeben", erklärt der Experte. Auch bei wiederkehrenden Abläufen wie Lagerung, Saisonaktionen oder Kundenveranstaltungen ist das Erfahrungswissen der alten Hasen gefragt. Denn zur Vorbereitung und Planung muss das Rad nicht neu erfunden werden. Wie die Ware am besten positioniert wird, ist den Beschäftigten in Fleisch und Blut übergegangen. Germann: „Aber auch im Umgang mit Stresssituationen können Auszubildende viel von ihren älteren Kollegen lernen. Denn diese lassen sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen und bleiben gelassen, wenn es mal hektisch werden sollte." Ein weiterer Pluspunkt: ihre Menschenkenntnis. Ältere Beschäftigte sind in der Kundenansprache erfahrener und können sich schneller auf die Bedürfnisse des Kunden einstellen. „Gerade im Umgang mit der älteren Generation kann der erfahrene Mitarbeiter als Brücke zwischen dem Kunden und dem Auszubildenden fungieren. Denn gerade von der Generation 55+ werden jüngere Beschäftigte oft als zu flapsig in der Ansprache wahrgenommen", weiß Germann. Das umfassende Wissen über Hintergründe, Produkte, Abläufe, Kunden und Wettbewerber macht ältere Beschäftige damit zu den wichtigsten Ratgebern für jüngere Mitarbeiter.

Jung und innovationsfreudig

Aber auch die junge Generation von Azubis kann neues Know-how ins Unternehmen bringen. Germann: „Junge Leute wachsen heute anders auf. Sie haben einen ganz anderen Zugang zur digitalen Welt und gehen ganz selbstverständlich damit um. Das kann im Bereich Informationsbeschaffung oder dem Erfassen und Anwenden von neuer Technik wie innovativen Kassen- oder Warenwirtschaftssystemen hilfreich sein." Hier können die Älteren umgekehrt auch von den Jüngeren lernen. Fällt es einem älteren Mitarbeiter schwer, sich mit der neuen Kasse zurechtzufinden, kann der Jüngere unterstützend einspringen. Auch im Bereich Marketing kann sich das Wissen der nachfolgenden Generation als gewinnbringend erweisen, wenn es etwa um die Nutzung von Sozialen Medien wie Facebook oder Twitter geht.

Kommunikation ist gefragt

Damit der Wissenstransfer von Alt zu Jung – und umgekehrt – gelingt, muss eine grundsätzliche Basis geschaffen werden. Auf beiden Seiten muss die Bereitschaft bestehen, das eigene Wissen zu teilen, aber auch, neues Wissen anzunehmen. „Es ist ein Spagat zwischen abgeben können und annehmen wollen. Diesen müssen beide Seiten meistern. Das schafft man nur, wenn man miteinander kommuniziert, betont Germann. Und das sei manchmal gar nicht so einfach. „Viele kleine und mittlere Gartencenter haben es viele Jahre lang versäumt, die junge Generation mitzunehmen. Es gab lange Zeit kaum Auszubildende. Woher soll jetzt ein 55-jähriger Mitarbeiter wissen, wie er einem 16-jährigen Azubi Wissen vermittelt? Da muss eine große Brücke geschlagen werden." Allein der gemeinsame Arbeitsplatz bietet viel Kommunikationspotenzial. Germann: „Es geht darum, gemeinsame Interessenfelder zu finden: Produkte, Prozesse, gemeinsame betriebliche Projekte – es gibt genug Dinge, die zu besprechen wären."

Ein Wissenstransfer gelingt in Betrieben nur, wenn die Bedeutung des Themas in der Chefetage angekommen ist. Es müssen bestimmte Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine gezielte und strukturierte Weitergabe von Fach- und Erfahrungswissen ermöglichen. „Aber auch die Beschäftigten müssen für das Thema sensibilisiert werden. Hier geht es darum, Respekt und Akzeptanz gegenüber der anderen Generation zu schaffen, damit ein Austausch stattfinden kann."

In: markt in GRÜN, 08/2018