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Pandemiezeit kann zur Pionierzeit werden

Mitarbeiterentwicklung im Baustoffhandel

Der Baustoffhandel benötigt dringend motivierte und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die langfristig bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Die Corona-Pandemie hat ihre Spuren in der Mitarbeiterentwicklung hinterlassen. Was haben wir aus dieser Zeit für die Zukunft gelernt? Finden wir die Balance zwischen dem Bewährten, den Aspekten der heutigen Wochen und Monate sowie den Anforderungen der Zukunft? Wo (oder sogar in wen) müssen wir jetzt investieren, um uns passend aufzustellen? Entscheider sind gefordert, sich diesen und weiteren Herausforderungen zu stellen.

Die inzwischen sogenannte Generation Corona hat nahezu zwölf Monate Homeschooling und Hybridunterricht erlebt. War bereits in der Vergangenheit der Wechsel von Schule in die Berufswelt eine große Umstellung, so ist dies in der jetzigen Situation noch gewaltiger. Wir brauchen eine andere Form der Nähe und Zuwendung, um erfolgreich mit den neuen Auszubildenden im Herbst durchstarten zu können. Daher rate ich den Baustoff Fachhändlern, die notwendigen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen jetzt zu organisieren und vorzubereiten. Das bedeutet, dass die jungen Leute in der Ausbildung nicht „mitlaufen”, sondern dass sich der Ausbildungsverantwortliche explizit Zeit für sie nimmt. Die Zeiten von „Lehrjahre sind keine Herrenjahre” sind vorbei. Sehr viele Ausbildungsverantwortliche haben es bereits verinnerlicht und leben es tagtäglich im Betrieb: Steigern Sie Ihre Vermittlungskompetenzen und Ihre Feedbackkultur inklusive konstruktiver Ausbilderbewertung. Setzen Sie sich mit Ihrem Azubi alle vier Wochen zusammen und sagen ihm an Beispielen: Was ist gut gelaufen, wo gibt es Verbesserungspotenzial, was muss sich ändern. Ganz wichtig: Fragen Sie ihn nach seiner Meinung und hören ihm ernsthaft zu. Nur wenn wir zukünftig Ausbilder und Ausbildungsverantwortliche haben, welche die Zeichen der Zeit verstanden haben und mit den modernen Möglichkeiten agieren, werden sie die jungen Leute vom Baustoffhandel dauerhaft begeistern können.
Im Baustoff Fachhandel sind laut dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) über 3.000 junge Menschen in der Ausbildung (Stand Ende 2019). Noch nie war die Abbruchquote bei den Auszubildenden im Fachhandel und Handwerk so hoch wie aktuell. Dies ist nicht nur den Veränderungen bei der jungen Generation zuzuschreiben. Die Herausforderung für jeden Ausbildungsbetrieb besteht darin, längst notwendige Anpassungen vorzunehmen. Entwickeln Sie ein Integrationskonzept für die ersten drei Monate einer Ausbildung und nehmen dabei Ihre Auszubildenden aus den höheren Jahrgängen hinzu: Wo sind die Ängste und Unsicherheiten des Berufsanfängers? Wo kann der Betrieb helfen und vermitteln? Betrachten Sie die Lebenssituation des neuen Azubis: Muss er zwei Stunden lang mit Bus und Bahn zur Berufsschule pendeln? Machen Sie sich bewusst, dass Sie die erste Station im neuen Lebensabschnitt sind und dass ein wenig Starthilfe ein Motivationswunder sein kann. Ich zeige Ihnen in meinen Seminaren – in Pandemie-Zeiten auch als Webinar – wie Sie mit einem besseren Verständnis und einer zeitgemäßen Wissensvermittlung die Qualität Ihrer Ausbildung erhöhen.

Abgeschlossene Ausbildung: Ist das Lernen vorbei?

Jeder Baustoffhändler ist für die ständige Weiterentwicklung des Personals verantwortlich. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen stetig komplexer werdende Probleme lösen, neue Verbindungen knüpfen und über den vielbeschworenen Tellerrand schauen. Zugleich beklagen sich Arbeitgeber häufig, dass es ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an wertvollen Fähigkeiten fehle: kritisches Denken, Team- und Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, aber auch Anpassungsfähigkeit, Empathie, Führungsqualitäten und kulturelles Einfühlungsvermögen. Wie ist der zusätzliche Stand im Hinblick auf aktuelles Fachwissen und Produktinnovationen? Viele Lieferanten bieten regelmäßige Produktschulungen unter anderem in den Bereichen Farben, Innenausbau oder Pflanze & Garten an, die auch unter Pandemie-Bedingungen stattfinden. Geben Sie sich und Ihren Teams die Freiräume für neue Themen. Der Baustoffhandel ist eine attraktive Branche: Als zentrales Bindeglied zwischen baustoffnaher Industrie und Planern, Handwerkern, Bauherren oder Hausbesitzern koordinieren die Baustoffhändler den zeit- und sachgerechten Warenfluss. Der Baustoffhandel muss seine Attraktivität wieder nach Außen tragen. Die aktuellen Strukturen im Hinblick auf Onboarding, Ausbildung und Qualifizierung sollte man überdenken. Es muss jedem Baustoffhändler klar sein, dass es ohne ausreichend qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keinen funktiofunktionierenden Baustoffhandel gibt. In die zukünftigen sowie in bereits erfahrenen Fachberaterinnen und Fachberater muss Zeit investiert werden, denn der Traum von fertigen Baustoffkaufleuten ist Wunschdenken.

Perspektivlosigkeit in der Corona-Pandemie?

Laut Einschätzung der BCG Boston Consulting Gruppe haben Motivation und der Karriereehrgeiz während der Corona-Pandemie abgenommen. Es mache sich ein Motivationsknick insbesondere bei jüngeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern breit. Die Ausnahme-Situation der Corona-Pandemie wirkt sich auf unsere Teams aus. So ist beispielsweise aus der engagierten Einkäuferin eine Mitarbeiterin geworden, die nur noch ihre Aufgaben abwickelt, da sie zwischen Beruf und Kinderbetreuung routiert. Genau diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gilt es jetzt gezielt aus der Lethargie herauszuholen und ein neues Bewusstsein zu schaffen, sie neu zu motivieren, zu integrieren und ihnen das Gefühl zu vermitteln: Wir sind ein verlässlicher Arbeitgeber. In meinen Führungskräfteseminaren geben wir Tools an die Hand, um die Mitarbeitermotivation und die Kommunikationsqualität zu steigern. Jetzt ist Veränderungsbereitschaft an jeder Stelle gefordert. Werden Sie ein Innovationsbotschafter! Überdenken Sie aktuelle Prozesse und schöpfen Sie alle digitalen Optionen aus. Seien Sie mutig und vermarkten sich konsequent als regionaler Anbieter. Reduzieren Sie lange Texte, sondern vermitteln Ihre Inhalte in Bildern oder Videos.
Viele Baustoffhändler haben im vergangenen Jahr gute bis sehr gute Betriebsergebnisse erzielen können. Dennoch agieren alle mit der gleichen Unbekannten: Corona und dessen Auswirkungen unter anderem auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im unruhigen Fahrwasser braucht Ihr Team einen Orientierungspunkt. Eine hervorragende Grundlage bieten gelebte Unternehmenswerte. Diese sorgen für eine gute Stimmung und beeinflussen das Mind-Set aller Beteiligten positiv. Wer sich jetzt gut aufstellt, der stellt die Weichen richtig für eine erfolgreiche Zukunft. Denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das Herz und die Seele des Unternehmens.

In: BaustoffMarkt 03.2021