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Gerade jetzt ausbilden!

Ausbildungsstart 2021

Die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen spielen der Branche in die Karten: Die junge Generation hat sich das Thema Klima und ökologisches Handeln auf die Fahnen geschrieben. Eine Ausbildung in der grünen Branche bietet die Möglichkeit, dieses Bekenntnis mit Leben zu erfüllen. Nutzen Sie die Chance und gehen jetzt aktiv auf die jungen Menschen zu, empfiehlt der Ausbildungsexperte Erwin Germann.

Der Fachkräftemangel hat die Branche längst erreicht – dem entgegenzuwirken hilft nur, genügend junge Menschen auszubilden, denn nur dann stehen in Zukunft ausreichend Fachkräfte zur Verfügung. Egal, ob ausgelernte Auszubildende am Ende das Unternehmen oder die Branche wechseln oder nicht. Nutzen Sie als Betrieb die kommenden Wochen und Monate, um sich aktiv um Auszubildende für das Ausbildungsjahr 2021 zu kümmern. Viele Gespräche mit potenziellen Auszubildenden bestätigen aktuell, dass es noch ausreichend Schulabgänger/innen gibt, die bis dato noch keine finale Entscheidung getroffen haben.

Regionale Präsenz und Bekanntheit nutzen

Deshalb sehe ich hier eine große Chance gerade für die Betriebe, die regionale Präsenz und den Bekanntheitsgrad gezielt zu nutzen. Viele stecken hier sicher gerade noch voll in der Saison und sind froh darüber, dass sie als systemrelevante Betriebe aktuell ein gutes Geschäft erzielen, was verständlicherweise die volle Kraft erfordert. Hierbei bleibt die strategische Weichenstellung zur Zukunftssicherung jedoch leider auf der Strecke. Zahlreiche Ausbildungsstellen in der grünen Branche sind noch unbesetzt. Hier möchte ich an alle Verantwortlichen appellieren, die Zeit bis zum offiziellen Ausbildungsstart am 1. August beziehungsweise 1. September zu nutzen.

In manchen Fällen genügt es bereits das Umfeld der vorhandenen Mitarbeiter und deren Bekanntenkreis zu aktivieren. „Wir stellen noch weitere Auszubildende ein – einfach bewerben!” Oder auch: „Kennst du wen, der jemanden kennt, der ...?” Vergessen Sie altbewährte Stellenanzeigen. Potenzielle Bewerber müssen anders angesprochen werden und achten auf andere Aspekte bei Ausbildungsbetrieben.

Beginnend bei der eigenen Homepage sollte die Ansprache in jugendlicher Form erfolgen und durch aktuelle Bilder und moderne Aussagen der eigenen Auszubildenden ergänzt werden. Am besten sind kurze Videobeiträge von vorhandenen Azubis und dem Ausbildungsverantwortlichen, damit echte Menschen in Erscheinung treten. Hier sind Ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Wichtig sind der vermittelte Spaßfaktor, die Glaubwürdigkeit und die Kürze. Lieber dreimal 1 Minute als einen Videobeiträg über 5 Minuten, den kein potenzieller Azubi bis zum Schluss ansieht.

Gleichzeitig gilt es den Erstkontakt so einfach wie möglich zu gestalten, um alle weiteren Details in einem zweiten Schritt zu klären. Die Tendenz, dass die Qualität und Form von Bewerbungsunterlagen immer schlechter werden, bestätigen zahlreiche Betriebe. Es geht jedoch darum, interessante Bewerber mit Potenzial zu erkennen. Es sollte ein durchgängiger Anspruch an alle Betriebe in der grünen Branche sein, dass jeder Bewerber eine Antwort erhält. Das ist das Mindeste, was zu einem guten Ausbildungsimage in Ihrer Region gehört.

Für den Auswahlprozess ausreichend Zeit nehmen

Beim Auswahlverfahren empfehle ich auf Grund zahlreicher Erfahrungen grundsätzlich ein Telefonat oder einen Videokontakt zum ersten Kennenlernen. Zehn Minuten reichen dafür völlig aus. Nach diesem Eindruck starten Sie mit den ausgewählten Kandidaten in die zweite Runde – mit einem Vorstellungsgespräch unter Einhaltung der aktuellen Hygieneauflagen. Alle Bewerber, welche Sie in diesem Dialog überzeugt haben, sollten in einem 3. Schritt einen Praxistag absolvieren, bei dem die Grundeigenschaften durch konkrete Aufgabenstellungen und praktische Arbeitseinsätze überprüft werden.

Viele werden jetzt sagen, das ist ja mit richtig Aufwand verbunden. Ja, damit Sie die richtige Auswahl treffen können! Viele Auszubildende, welche ich dann im 1. Ausbildungsjahr kennenlerne, hätte ich niemals eingestellt. Ich will möglichst genau wissen, was für eine/n Auszubildende/n ich einstelle. Dieser Punkt ist für die zukünftige Ausbildungsqualität enorm wichtig. Es gibt genug gute, willige, interessierte, höfliche und junge Menschen auch in Ihrer Region.

Nach einem solchen Prozedere haben alle Beteiligten einen echten Eindruck und können eine Entscheidung treffen. Wählen Sie den/die aus Ihrer Sicht geeignetesten Kandidaten aus, und stimmen Sie in einem finalen Einstellungsgespräch den Ausbildungsvertrag ab, insbesondere die Erwartungen und Pflichten als Azubi.

Im Vorfeld sollte jedoch der betriebliche Ausbildungsverlauf überdacht und gegebenenfalls neu strukturiert werden. Jeder Betrieb ist anders, das wirkt sich auch auf die Ausbildung aus. Doch es muss im Interesse des jeweiligen Ausbildungsbetriebes liegen die betriebliche Ausbildungsstruktur klar festzulegen und entsprechend anzupassen. Es gibt klare Vorgaben welche Inhalte, Themen und Schwerpunkte in den jeweiligen Ausbildungsberufen innerhalb der betrieblichen Ausbildung vermittelt werden sollen.

Zeitgemäßes Onboarding ist sehr wichtig, damit die neuen Auszubildenden wirklich im Betrieb ankommen und keine Anhängsel bleiben. Jeder Betrieb sollte sich überlegen, wie gerade der Anfang in diesem Jahr optimal abläuft. In den ersten Tagen und Wochen brauchen die jungen Auszubildenden einen festen Ansprechpartner, der immer verfügbar ist. Dies kann auch über einen Ausbildungspaten gelöst werden, beziehungsweise durch eine intensive Betreuung durch die Ausbildungsverantwortlichen.

Meilensteine für einen guten Ausbildungsstart

Der erste Arbeitstag soll positiv in Erinnerung bleiben. Sorgen Sie dafür, dass es diese Bilderbuchmomente gibt, und halten Sie diese gegebenenfalls fest. Wie wäre es mit einem pflanzlichen Willkommensgruß für Zuhause mit der Aufschrift: Schön, dass du da bist! Am Ende der ersten Woche brauchen wir einen kurzen Rückblick. Welche Stationen, Momente sind im Gedächtnis der Auszubildenden positiv angekommen. Das sind erste wichtige Bindungsmomente. Dies könnte auch das gemeinsame Foto mit dem Ausbilder oder dem Chef sein.

Der erste Monat gilt als Bewährungsprobe um zu klären, wie gut der/die neue Auszubildende sich in unserem Betrieb zurechtfindet. Dies kann durch eine kleine Betriebsrallye spielerisch optimal gelöst werden. Wer sich im Betrieb gut auskennt, fühlt sich wohler und findet die notwendigen Arbeitsmittel schneller. Notfalls kann zu diesem Zeitpunkt noch nachjustiert werden.

Die Probezeit spielt in vielen Fällen keine Rolle, weil die Arbeitskräfte benötigt werden, doch sie ist ein idealer Zeitraum um die Grundlagen für die verbleibende Ausbildungszeit zu schaffen. Verhaltens- und Arbeitsweisen müssen in dieser Phase vermittelt und eingefordert werden.

Wenn Sie erkannt haben, dass mit diesem Ausbildungsjahr eine neue Spezies an Menschen in unsere Betriebe kommt, muss dies Auswirkungen auf den Umgang, das Verhalten, den Kümmererfaktor sowie die Vermittlungskompetenz haben. Dazu gehören die notwendige Fürsorge, Zuwendung und richtige Anleitung. Nur wenn etwas richtige vermittelt und gelernt wurde, kann dies zu einem wichtigen Fundament der zukünftigen Arbeit werden. Wenn Sie aus Ihren zukünftigen Auszubildenden Persönlichkeiten entwickeln wollen, gehört eine lebendige Feedbackkultur dazu. Dies muss regelmäßig mit Leben gefüllt werden.

Nun kommen wir zur Königsdisziplin, bei der es häufig notwendig ist, externe Hilfe in Anspruch zu nehmen – die Ausbilderbewertung mit Transparenz und Konsequenz. Jeder Ausbilder von morgen muss auf den Prüfstand. Wichtig bei der Ausbildungsqualität ist das Ergebnis. Deshalb soll durch die Ausbilderbewertung im Ausbildungsverlauf dafür gesorgt werden, dass wir mit unseren betrieblichen Gegebenheiten und den zur Verfügung stehenden Ausbildern am Ende eine top Ausbildung ermöglichen. Wenn Auszubildende nach Abschluss ihrer Ausbildung die Wertschätzung und Dankbarkeit an ihre Ausbilder zurückgeben, dann ist die Symbiose perfekt.

In: DEGA Grüner Markt, 7/8-2021