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Den Holzhandel als lokale Arbeitgebermarke positionieren

Eine Reihe von Maßnahmen helfen, als Arbeitgeber attraktiv zu sein

Der gesamte Holzhandel leidet an einer Überalterung sowie Fachkräftemangel und fehlendem Nachwuchs. Das höre ich immer bei Gesprächen, Vorträgen und Schulungen bei Betrieben in dieser Branche. Der entscheidende Faktor ist hier die Kommunikation – nach außen und innen.

Zunächst muss jedem Unternehmer und Entscheider im Holzhandel klar werden, dass die Menschen auch in ihrem regionalen Umfeld den Holzhandel nicht kennen. Potenzielle Auszubildende und Mitarbeiter kennen diese Branche nicht und sie spielt bei der aktuellen Suche nach den interessanten Traumberufen keine Rolle. Wichtig ist zu erkennen, dass, egal wie groß Ihr Unternehmen und die Anzahl Ihrer Standorte in der Region ist, der erste Kontakt potenzieller Mitarbeiter digital erfolgt.

An dieser Stelle geht es nicht um unsere Lieblingsthemen wie Sortimente und Historien oder Referenzen. Es geht um die Menschen in Ihrem Unternehmen – die Mitarbeiter, die bereits teilweise schon sehr lange bei Ihnen sind. Und da die Spezies der potenziellen Kandidaten nicht gerne liest, brauchen Sie einfach aktuelle Bilder, noch besser sind aktuelle Videoclips von und über die Menschen, die mit Elan und Spaß in Ihrem Unternehmen arbeiten.

Eine glaubwürdige Darstellung steigert die Mitarbeiterzufriedenheit bei den vorhandenen Mitarbeitern, da diese sich wiedererkennen und somit zum aktiven Werbeträger in Ihrer Region werden. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter muss in den kommenden Jahren im Fokus stehen. Unsere jahrelange Erfahrung in der Personalentwicklung zeigt deutlich, dass bei Mitarbeitern aus dem regionalen Umfeld die größten Chancen einer mittel- und längerfristigen Bindung sich erheblich verbessern. So steigern Sie die Chance in der Region als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

Arbeitnehmermarkt

Machen Sie sich bewusst, dass die Nachfrage nach potenziellen Mitarbeitern mit fachlicher Qualifikation höher ist als das Angebot der wechselbereiten Mitarbeiter. Das führt dazu, dass Arbeitnehmer entscheiden und auswählen können, wo er/sie zukünftig arbeiten will. Daher sind leistungsfähige Mitarbeiter die kostbarsten Ressourcen eines Betriebs. Dies wird jedoch häufig bei der betriebswirtschaftlichen Betrachtung vergessen. Jeder An- bzw. Umbau oder Neubau ist die Leidenschaft vieler Holzhändler geworden.

Sie vergessen jedoch immer wieder, dass jeder Standort in Zukunft nur überleben wird, wenn sie ausreichendes und qualifiziertes Personal haben. Aktuell gibt es genügend Standorte, deren Personal bereits unter dem notwendigen Besetzungsniveau arbeitet. Die Frage stellt sich: Wie lange halten die Mitarbeiter noch durch bzw. machen sie solche Belastungen mit? Beachten Sie bitte, dass auch in unserer Branche die Zahl der psychosomatischen Erkrankungen bei Mitarbeitern und Führungskräften zu den häufigsten zählt.

Jedem Holzhändler muss heute klar sein, dass es nur eine Zukunft geben wird, wenn das Geschäftskonzept den Anforderungen der Mitarbeiter standhält. Werfen Sie endlich alte und veraltete Strukturen und Arbeitsweisen über Bord, um den Betriebsanspruch insbesondere im Hinblick auf Wissensweitergabe und einer permanenten Mitarbeiterqualifizierung erfüllen zu können.  Wenn Sie den Mut haben neue Wege zu gehen, gilt es diese auch aktiv zu vermarkten. Stellen Sie ausgewählte Aktivitäten für ein besseres Zusammenspiel von Abteilungen und Teams öffentlichkeitswirksam dar, denn nur so können Sie die besten Mitarbeiter der Region für sich gewinnen und bestehende binden.

Grundvoraussetzung ist hierfür eine ansprechende und moderne Website als Aushängeschild. Der digitale Auftritt sollte einen lebendigen Eindruck machen. Ein aktueller Social Media-Kanal zeigt Aktivität und wird gerade von der jungen Generation wahrgenommen. Integrieren Sie auf Ihrer Website Bilder der jeweiligen Ansprechpartner und spannende Teambilder, diese vermitteln Persönlichkeit. Bei den Artikeln und den Sortimenten beherrschen die Holzhändler ihr Metier.

Leider geben potenzielle Azubis und Mitarbeiter andere Suchbegriffe ein. Diese gilt es zu nutzen, um auf die erste Seite bei Google zu kommen. Sie müssen nachweislich zufriedene Mitarbeiter haben, um den Betrieb als Arbeitgebermarke zu positionieren. Sie als Inhaber bzw. Geschäftsführer sind zusammen mit einem spürbar gutem Betriebsklima die Grundpfeiler für die Glaubwürdigkeit. Nur wenn die potenziellen Bewerber spüren, dass eine echte Willkommensstruktur besteht, können Sie motivierte und kompetente Mitarbeiter erreichen. Vermarkten Sie sich in der digitalen Welt, um neue Talente zu gewinnen.

Veröffentlichen Sie Bilder, Videos und Statements von Mitarbeitern, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Dies muss durch ein aktives Netzwerk zu den Multiplikatoren an den verschiedenen Stellen, wie beispielsweise Schulen, ergänzt werden. Hierzu gibt es zahlreiche Möglichkeiten als Arbeitgeber in der Region präsent zu sein.

Bewertungsplattformen

Zusätzlich gibt es weitere Möglichkeiten, Ihr Unternehmen als regionaler Arbeitgeber bekannt zu machen. Hilfreich ist die digitale Mundpropaganda, z. B. aktuelle gute Arbeitgeberbewertungen auf Online-Bewertungsplattformen wie www.kununu.de. Auf diesen Plattformen haben Sie ebenfalls die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Nutzen Sie auch auf jeden Fall die Möglichkeit, Bewertungen als Arbeitgeber zu kommentieren. Die Präsenz auf den wichtigen Bewertungsplattformen ist ein Muss für jedes Unternehmen in der Branche. Gleichzeitig muss jedem Geschäftsführer/Personalverantwortlichen klar sein, dass Sie für positive und ausreichende Bewertungen verantwortlich sind und dies in allen Rubriken – Mitarbeiter – Bewerber – Azubis.

Auf aktuellen Ausbildungsmessen erlebe ich immer wieder, dass erfahrene Personalverantwortliche und Ausbildungsleiter sich wundern, dass sie nicht angesprochen werden. Das ist ganz normal, dass pubertierende junge Menschen nicht mit ihnen reden wollen. Gehen Sie neue Wege und geben Sie Ihren jungen Azubis die Gelegenheit als Botschafter und Scout zu agieren. Machen Sie endlich Schluss mit dem Standbewacher-Prinzip. Es reicht, wenn es einen Vertreter am Stand gibt. Der Kollege sollte dort sein, wo die jungen Menschen sich aufhalten und Kontakte knüpfen und gezielt junge Damen und Herren einladen am Stand bzw. im Unternehmen vorbeizukommen.

In: Holzzentralblatt, 28.02.2020